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Freier Angstfluss oder Panik?
Beitrag von Maria Neumayer März 20

So kollektiv und intensiv haben sich hierzulande die Menschen seit dem zweiten Weltkrieg nicht mehr mit dem Thema Angst auseinander setzen müssen.
Wie ist deine persönliche Strategie mit Angst umzugehen?

Meine Strategie der letzten Tage war: Ich habe ständig auf mein Handy geglotzt auf der Suche nach neuen, argen Nachrichten oder Links zum Thema Corona, habe andauernd hin und her überlegt ob es tatsächlich notwendig ist, ALLE Klienten,- und Schülertermine abzusagen, ob ich dann,- wenn ich es tue wohl genug Geld habe und – ( was ja auch an sich eine gute Sache ist) ich habe von Garage bis Badezimmer geputzt wie ein Teufel…
Bei mir werden grad alle Themen des Überlebens wunderbar aktiviert. Samt eingezogenem Zwerchfell und Nackenspannung ( …das ist wohl das Schlechte an der Sache). Und Angst ist ja bekanntlich nichts „Privates“, – es breitet sich untereinander aus wie der Virus selbst….

Das was mir gerade sehr Wertvoll erscheint, ist, – mich in ständiger Achtsamkeit zu üben, wie ich mit meiner Angst vor dieser neuen Situation der Isolierung, der Gefahr für geliebte Menschen und der allerorts drohenden und möglichen Coronainfektion umgehe. Achtsam zu Sein mit meinen Gefühlen, meinem Körper und der Art meines Denken!

Hier dazu Hilfreiches aus der Grinberg® – Methode zum Thema Angst:

Freier Fluss der Angst
Ich bemerke was mir genau Angst macht

Freies Atmen in Brustkorb und Bauch möglich.
Körper holt sich langsam und tief alle Luft die er braucht.
Verstand ist ruhig und fokussiert.
Volle Aufmerksamkeit geht zur Wahrnehmung von Gefühlen, Körperempfindungen, Bedürfnissen.
Der Körper darf arbeiten; d.h. schwitzen, zittern, zucken, Kälteempfinden, kribbeln, ruhen…
Auch beim Tun ist mein Körper entspannt und ich kann meine Angst spüren.
Ich weiß Angst ist Energie die mich schützen will vor Gefahr.
Mit dieser Energie kann ich relevant auf die Gefahr reagieren.
Wenn ich nicht flüchte oder kämpfe ( ursprüngliche Reaktionen auf Gefahr ) lasse ich mich vom Fluss der Angst durchströmen, bis er von alleine abebbt.
Passives Geschehen.
Hingeben.
Bewusstsein der eigenen Sterblichkeit und Verletzlichkeit vorhanden.
Im Jetzt und Hier, nicht in Bildern.
Verantwortung tragen: Wie ich mit meiner Angst, mit mir und der Situation umgehe, habe ich in der Hand.
Kurz sehr intensiv und lebendig, danach ruhig.

————————————– Im Unterschied zur —————————–

Panik
Angst vor der Angst.

Ich merke nicht genau was mir Angst macht.
Atmung flach, Zwerchfell angespannt, Bauch angezogen.
In meinem Kopf rasen die Gedanken zum Finden von Lösungen.
Verstand versucht Situation unter Kontrolle zu bekommen:
Ständiges Lesen von Expertenartikeln, Hören von Sendungen, Schreckensmeldungen im Handy und Internet.
Oder
Negieren der Gefahr mit guten Argumenten oder einem „Geh bitte…mir passiert eh nix!“
Immerwiederkehrende Gedankenspiralen.
Ich „tue“ um nicht zu merken wie es mir geht.
Erstarrung.
Unnötiges Anspannen von Körperteilen ( z.B.Schultern angezogen, Stirn in Falten, Po zusammengezogen, Nacken eingezogen )
Viel Aktivität.
Vermeiden von Alleinsein.
In der Vergangenheit und Zukunft.
Opfergefühl.
GetriebenSein.
Schwierig, sich an die neue Situation anzupassen.
Unüberlegte Handlungen ( z.B.Hamsterkäufe)
Gleichbleibend angespannt und angestrengt.

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Ausschnitt aus: Artikel über die Grinberg – Methode aus dem Magazin „Carpe Diem“

Loslassen und gesunden mit der Grinberg Methode?

Loslassen, entspannen, gesunden – aber wie? Wir stellen die beliebtesten Methoden aus aller Welt vor, um Körper und Geist zu beleben oder aber: um einfach zur Ruhe zu kommen.

Was ist die Grinberg Methode?

Die Grinberg Methode ist ein Training für Körperaufmerksamkeit, wurde in den 1980 Jahren von Avi Grinberg in Israel entwickelt und wird seit 1991 in Österreich unterrichtet. In Sitzungen lernt man, wieder Zugang zu den eigenen, natürlichen Fähigkeiten des Körpers zu finden. Dazu gehören: sich zu entspannen, im Geist still zu sein, frei zu atmen, die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen, sich im Körper zu Hause zu fühlen. Ein Schwerpunkt der Methode ist es, die Achtsamkeit für Gewohnheiten zu entwickeln: Wie sitze ich, wie gehe ich, wo spanne ich mich routinemäßig an, aber auch wie denke und fühle ich gewohnheitsmäßig? Es gilt „Energieschatzkisten“ freizusetzen:  Wenn ich lerne, nicht mehr unbewusst und aus Gewohnheit z.B. meine Schultern anzuspannen, obwohl es gerade gar nicht notwendig ist, wird dadurch Energie frei, die der Körper zur Selbstheilung nutzen kann.

Je genauer man sich spürt, desto besser wird das eigene Wohlbefinden.

Keine Heilmethode, sondern ein Aufmerksamkeitstraining

Die Grinberg Methode ist keine Heilmethode per se, sondern ein Aufmerksamkeitstraining. Die Sitzungen unterstützen darin, die eigene Wahrnehmung und Achtsamkeit zunehmend aufzuwecken und zu verfeinern. Je genauer man sich spürt, desto besser wird das eigene Wohlbefinden. Ein Beispiel aus der Praxis: Nehmen wir an, du leidest unter einem verspannten Nacken. Die Grinberg Sitzung wird deine Verspannung nicht einfach wegzaubern, sondern du wirst deutlicher wahrnehmen können, wie und wann du diese Verspannung erzeugst. Durch diese erhöhte Achtsamkeit wird es leichter, selbständig und bewusst die Verspannung zu lösen. Natürlich ist das ein Prozess. Wer seit Jahrzehnten einen verspannten Nacken hat, wird etwas länger üben bis er die Gewohnheit der Verspannung nicht mehr weiter praktiziert. Wenn der Klient/die Klientin es wünscht, kann man in den Sitzungen auch erforschen, was auf anderen Ebenen mit dem verspannten Nacken einhergeht. Setze ich mich vielleicht unter Druck? Habe ich Angst vor etwas? „Steckt“ eine unangenehme Erinnerung in mir, die ich nicht gut verarbeitet habe? Dadurch eröffnen sich neue Perspektiven und Handlungsmöglichkeiten

Grinberg Methode
Photo by Imani Clovis on Unsplash

Für wen ist Grinberg geeignet?

Die Grinberg Methode eignet sich für alle, die offen und neugierig genug sind, mehr über ihren Körper zu lernen. Weniger geeignet ist es für Menschen, die nicht berührt werden wollen. Wichtig ist zu bedenken, dass Sitzungen nach der Grinberg Methode kein Ersatz für medizinische, psychotherapeutische oder physiotherapeutische Behandlungen ist. Sitzungen werden aber gerne in Kombination mit diesen Fachbereichen in Anspruch genommen.

Kosten und PraktikerInnen

Die Kosten variieren je nach Ausbildungsstand und Erfahrung der Praktikerin/des Praktikers und gehen von ca. 35 bis 100 Euro pro Sitzung. Eine Sitzung dauert in der Regel 60 Minuten. Wie oft jemand kommt, ist sehr unterschiedlich. Es hängt stark vom Thema ab und auch davon, wie lange sich ein Unwohlsein bereits etabliert hat. Manchmal werden Schmerzen oder andere Themen in einer oder wenigen Sitzungen aufgelöst, manchmal dauert der Prozess länger.